Künstliche Intelligenz

Und menschlicher Irrsinn

Künstliche Intelligenz und menschlicher Irrsinn

An dieser Stelle einmal ein klares Bekenntnis: Es Schorschla schätzt die gute alte Schule. Und merkt, dass die Umsetzung dieser im Alltag immer schwieriger wird. Ein ehrlich gemeintes Kompliment gerät da schnell in die Sexismus-Schiene, hält man einer Dame die Tür auf, hört man schon einmal Ansagen wie „Das kann ich schon selbst“. Aber egal, der Schreiber dieser Zeilen verbucht derartige Situationen als Einzelfälle und setzt nach wie vor auf gute Kinderstube statt überkorrekter Gleichstellung der Geschlechter. Und um einen medialen Shitstorm gleich im Keim zu ersticken: Ja, in Sachen Gleichberechtigung gibt es auch anno 2021 in unserer Gesellschaft einige Herausforderungen. Aber Quotenregelungen und Ignoranz sind hier sicher nicht der Weisheit letzter Schluss.

 Es Schorschla kommt aus der Leserbrief-Ära. Da gab es in den Redaktionsstuben täglich Zuschriften von besorgten und/oder kritischen Leserinnen und Lesern, die unter ihrem Namen mit Nennung der Wohnadresse ihre Sicht der Dinge zu Papier brachten. Meist in vernünftigem deutsch, ohne Beleidigungen und persönliche Diffamierungen. Und das alles aus gutem Grund: Sonst landeten die Zuschriften ganz schnell im Papierkorb. Heute ist das ganz anders. Leider. Da kann jeder Idiot unter Synonym andere Menschen anonym beschimpfen und verurteilen. Da kommt das Recht auf freie Meinungsäußerung ganz schnell an seine Grenzen, die Verrohung und Verwahrlosung der Umgangsformen hinterlassen tagtäglich tiefe und hässliche Spuren in unserer angeblich so modernen Gesellschaft. 

Die sozialen verkommen mehr und mehr zu asozialen Medien, eine Tendenz, welcher Facebook-Gründer Marc Zuckerberg und seine Kollegen mit künstlicher Intelligenz zu Leibe rücken. Ob sie es müssen oder möchten sei dahingestellt. Denn in der Praxis wirken die Bemühungen oftmals wie ein Alibi, Herzblut steckt mehr in der Gewinnmaximierung der Unternehmen als in der Minimierung von Hass-Posts. 

Das „Wall Street Journal“ hat eine bemerkenswerte Artikelreihe zu den „Facebook files“ (Facebook-Akten) gedruckt und dabei die Leistungsfähigkeit der automatisierten Hatespeech-Erkennungssysteme des Konzerns infrage gestellt. Unter Berufung auf firmeninterne Dokumente, die von der Whistleblowerin Frances Haugen übergeben wurden, schreibt die Zeitung: „Künstliche Intelligenz hat nur minimalen Erfolg beim Entfernen von Hassreden, Gewaltdarstellungen und anderen problematischen Inhalten“.

Da werden Videos von Schießereien oft nicht erkannt, harmlose Clips von einer Autowäsche hingegen fälschlicherweise als Schießerei interpretiert. 2019 schätzte ein Facebook-Forscher dem Bericht zufolge, dass die KI nur zwei Prozent aller Hass-Inhalte, die auf Facebook von jemanden gesehen wurden, lösche. Im Sommer dieses Jahres ging ein anderes Facebook-Team davon aus, dass es zwischen drei und fünf Prozent sind – und nur 0,6 Prozent aller Inhalte, die gegen Facebooks Richtlinien zu Gewalt und Aufrufen zu Gewalt verstoßen. „Wir müssen uns sicher sein, dass es sich um Hatespeech handelt, bevor wir etwas entfernen“, schreibt Guy Rosen, Facebooks Vice President of Integrity, in einem Blogpost. 

Wir werden dieses Problem wohl nie mehr lösen können, denn Künstliche Intelligenz wird niemals den menschlichen Irrsinn in seine Schranken weisen können. Wir können aber eines tun: Darauf achten, dass wir uns nicht von diesem stetigen Verfall der guten Sitten anstecken lassen; dass wir niemals den Respekt gegenüber unseren Mitmenschen verlieren; dass wir unseren Kindern einen vernünftigen Umgangston beibringen und sie immer wieder dazu anhalten, auch andere Meinungen anzuerkennen. Davon lebt eine moderne Gesellschaft. Auch in Zeiten, in denen sinnvolle Leserbriefe immer seltener geschrieben werden. 

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

 

 

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