Die Kunst und die Scheidung

Und wer die Gewinner sind

Die Kunst und die Scheidung

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Eine uralte Lebensweisheit, aber heute gültiger denn je. Blicken wir nur auf die stetig steigenden Scheidungszahlen. Medien sprechen schon vom „Ausverkauf einer Ehe“, goldene oder gar diamantene Hochzeitsjubiläen sind nicht gerade ein Boommarkt, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Und doch gibt es auch Profiteure dieser Trennungsgeschichten. Immobilienmakler zum Beispiel. Klar, das mühsam finanzierte Einfamilienhäuschen ist für jeden Einzelnen zu groß und zu teuer. So kommt es auf den Markt, wird eingetauscht gegen zwei schmucke Zweizimmerwohnungen. Den Makler*innen winkt dabei drei Mal Provision. Jubel. Trubel. Heiterkeit. Zumindest bei den Engeln von Völkers oder den von Polls.

Doch nicht nur bei Immobilien, auch in Sachen Kunst scheiden sich die Geister. „Dieser Markt selbst ist eher zynisch, das Unglück der Menschen ist sein Glück. Dass ihn vor allem Sterbefälle, Schulden und Scheidungen am Laufen halten, gilt als eine alte und wichtige Händlerweisheit“, hat es Schorschla neulich gelesen. In Zusammenhang mit einer Versteigerung von „Sotheby’s Meisterwerken aus der Sammlung der geschiedenen Streithähne Harry und Linda Macklowe“. Ja, der Kunstmarkt liebt Rosenkriege!

Diese Kunst sei – anders als die Ehe der Macklowes – „für die Ewigkeit“ gemacht, heißt es schwarz auf weiß im hochwertig glänzenden Verkaufskatalog. 2016 hatte Linda nach 57 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht, danach begann die große Scheidungsshow. Hollywoodreif ließ Harry, heute 84 Jahre alt, zwei monumental vergrößerte Porträts von sich und seiner neuen Liebe auf einem Gebäude mitten in Manhattan plakatieren. Sehr zum Ärger von Linda, die sich als Rache bei der Aufteilung der unfassbaren hauseigenen Kunstsammlung querstellte. 65 Werke, der geschätzte Wert der Pollocks, Rothkos, Richters, Warhols und Giacomettis liegt bei rund einer Milliarde Dollar. Damit ist die Macklowe-Sammlung eine der teuersten, die je versteigert wurden.

Spektakuläre Aktionen im Nachgang von Trennungen gab es aber schon viel häufiger. Der australische Schauspielstar Russell Crowe ließ 2018 in Sydney unter dem Titel „Die Kunst der Scheidung“ einen gehobenen Flohmarkt veranstalten und machte Requisiten und Kostüme aus den „Gladiator“-Filmen zu Geld. Angelina Jolie trennte sich nicht nur von Brad Pitt, sondern 2021 auch von einem Gemälde, das angeblich ein Geschenk von ihm gewesen war – und das einst Winston Churchill gemalt hatte. „Das Traurigste, was ich je erlebt habe“, war der Verlust seiner Bilder in den Fünfzigerjahren, erklärte der bekannte US-Schauspieler Edward G. Robinson noch im hohen Alter. Hollywoods gefragtester Gangsterdarsteller besaß Gemälde der damals noch aufstrebenden Mexikanerin Frida Kahlo, von Vincent van Gogh und weiteren europäischen Malerlegenden. Die meisten Werke riss sich der griechische Reeder Stavros Niarchos unter den Nagel. Voller Mitgefühl beschreibt Robinsons Schauspielkollege Tony Curtis in seiner Autobiografie, wie schlimm es für den geschätzten Kollegen einst gewesen sei, sich von den Bildern zu trennen. Und er schiebt gleich eine literarische Erklärung nach. Es habe eben alles seinen Preis, früher wie heute. Und Robinson habe eben nun mal seine Frau loswerden wollen. Da kann dann halt auch ein echter van Gogh nicht wirklich weiterhelfen … 

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

 

 

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