Deutsche Bischofskonferenz

Hoffen auf die Nothelfer

Hoffen auf die Nothelfer

Ein Rückblick auf die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Von Bernd Oelsner

Stolz trohnt die Basilika Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein über dem sogenannten „Gottesgarten“ im Obermainland. Rund eine halbe Million Menschen besuchen diese nach Plänen von Balthasar Neumann errichtete Wallfahrtskirche jedes Jahr, geweiht ist das eindrucksvolle Gotteshaus den heiligen vierzehn Nothelfern. 

Sage und schreibe „66 Nothelfer“, allesamt Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, tagten vom 7. bis 10. März 2022 auf Einladung des Erzbistums Bamberg in den Bildungs- und Tagungshäusern Vierzehnheiligens. Diese Frühjahrs-Vollversammlung stand unter der Leitung von Bischof Dr. Georg Bätzing, im Mittelpunkt der Beratungen stand der „Synodale Weg“ der katholischen Kirche in Deutschland. Zwei ganze Tage hat sich die Vollversammlung mit den bisherigen Debatten, aktuellen Texten und dem Fortgang des Synodalen Weges befasst. Dazu zählte auch eine erste Diskussion darüber, wie Beschlüsse in den Bistümern realistisch umgesetzt werden können. Darüber hinaus gab Bischof Dr. Stephan Ackermann, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, einen aktuellen Sachstandsbericht zum Themenkomplex Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Außerdem befasste sich die Vollversammlung mit der politischen und religiösen Entwicklung sowie der Situation der Kirche in Indien und der Ukraine.

Gott kann man nicht kaufen

„Wie kann man einen klaren Kopf bekommen in diesen turbulenten Zeiten, wenn wir uns die politischen Entwicklungen und auch die Kirche anschauen? Hätten wir uns das vorstellen können, was jetzt in der Welt und in der Kirche passiert? Woran können wir uns orientieren? Was vermittelt uns Gewissheit?“ Mit diesen Fragen wandte sich Kardinal Reinhard Marx (München und Freising) an seine Kollegen. Und kommt selbst zu dem Schluss: Gott ist keine Geschäftsbeziehung, man kann ihn nicht kaufen, der Glaube gründet sich nicht auf politische Macht und ist keine Wohltätigkeitsorganisation.“ 

„Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen“ (Lk 24,14-15).

Ja, die römisch-katholische Kirche befindet sich in einer prekären Situation. Was Bischof Dr. Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, auch in seinem Friedensgebet treffend formulierte. „Statt Heil zu vermitteln, hat sie (die Kirche) vielfach Unheil zugelassen und damit Leid über Menschen in ihrer Mitte gebracht. In diesen Zeiten – wo sich Gläubige in Scharen abwenden und damit auch ein Zeichen gegen die Veränderungsresistenz dieser Kirche setzen, das wirklich schmerzt – in diesen Zeiten möchte ich daran erinnern, dass Verbundenheit eine zutreffende Umschreibung dessen ist, was der Kirche im Credo als eines von vier ehrenwerten Attributen zukommt“. 

Ein Weg der Umkehr und Erneuerung

Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ und den damit verbundenen Erschütterungen haben die deutschen Bischöfe im März 2019 den „Synodalen Weg“ beschlossen, der der gemeinsamen Suche nach Antworten auf die gegenwärtige Situation dient und nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses fragt. 

Am Dienstag beim abendlichen Hintergrundgespräch für Journalist*innen mit Erzbischof Dr. Ludwig Schick und weiteren Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz wurde schnell deutlich, dass diese hochaktuellen Herausforderungen im wahrsten Sinne wegweisend sein werden und müssen: Für die römisch-katholische Kirche selbst, für jeden einzelnen Bischof und Pfarrer, für alle Glaubens-Schwestern und -Brüder und für unsere gesamte Gesellschaft. Denn es geht hier um viel mehr als Gottesdienste, den Umgang mit Skandalen, Missbrauch und sonstigen Verfehlungen. Es geht um Glaubwürdigkeit, um Ehrlichkeit, um Vertrauen, um Halt und um Zuversicht. Kurzgesagt: Um die Zukunft!

Krieg statt Frieden

„Die Ukraine wird vor den Augen der Welt gekreuzigt“, klagte beispielsweise Bischof Dr. Bohdan Dzyurakh CSsR, Apostolischer Exarch für die Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien, im Pressegespräch. „Es sind fast zwei Wochen, seit Europa in einer anderen Realität aufgewacht ist: in der Realität des Krieges... Die Bilder der in Schutt und Asche gelegten Dörfer und Stadtviertel, der getöteten Zivilisten, darunter Kinder und Frauen, der zerstörten Infrastruktur und des angegriffenen Atomkraftwerks in Zaporizhzhja erschüttern die Herzen und wecken die Gewissen der Europäer: So etwas darf doch nicht passieren im Europa des XXI. Jahrhunderts! Es ist aber geschehen und geschieht weiterhin vor unseren Augen.“ 

Ja, wir leben in völlig verrückten Zeiten, in Zeiten, in denen plötzlich nichts mehr nach Plan läuft. In Zeiten, in denen der gesunde Menschenverstand – sofern überhaupt vorhanden – einen immer wieder zweifeln lässt über gut und böse, über richtig oder falsch. In solchen Momenten der Zeitgeschichte spielt für viele von uns auch der Glaube (wieder) eine tragende und sinnstiftende Rolle. 

Gastgeber und Hausherr Erzbischof Dr. Ludwig Schick widmete den Gedächtnisgottesdienst dem Thema „Beten“. Dieses dürfe keine Show-Veranstaltung, pharisäisch oder bigott sein, kein Plappern, wie es die Heiden tun, vertrauensvoll und hörbereit auf Gott soll das Beten sein. Mit den Worten „So sollt ihr beten“ übergab Jesus bekanntlich das Urgebet der Christenheit, das Vaterunser, an uns alle, verbunden mit der Ermutigung, es vertrauensvoll zu tun. „Denn Gott weiß, was wir brauchen und gibt uns Gutes“. Von diesem Guten können wir aktuell gar nicht genug bekommen. 

Es war im Jahr 1980, als die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zum letzten Mal in Vierzehnheiligen tagte. 42 Jahre später leben wir in ganz anderen Zeiten, mit ganz anderen Problemen und Sorgen. „In dieser schweren Zeit – politisch und kirchlich – sind wir dankbar gewesen, uns der Fürsprache der hier verehrten 14 Nothelfer vergewissern zu können. Es war gut, dass uns viele Menschen in diesen Tagen mit ihrem Gebet begleitet haben – vor Ort in Vierzehnheiligen und zu Hause, in Gemeinden und Verbänden“, heißt es im offiziellen Rückblick des Bischofstreffens. Ja, ja die Nothelfer von Vierzehnheiligen: Nie hatten wir ihre Fürsprache wohl nötiger als anno 2022!

 

 

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